Musterbauordnung (MBO)

Selbst wenn die Musterbauordnung ((MBO), Fassung vom November 2002, zuletzt geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 13.05.2016) noch nicht in allen Bundesländern als Landesbauordnung baurechtlich eingeführt wurde, ist sie dennoch aufgrund des Paragrafen § 1 Abs. 1 auf alle Leitungsanlagen innerhalb von Gebäuden anzuwenden, da diese und deren Komponenten sowohl bauliche Anlagen als auch Bauprodukte sind:

Als wesentliche Schutzziele werden in der MBO 2002 § 3 und § 14 beschrieben:

Absatz 1 des § 3 der MBO 2002 nimmt alle Personengruppen, die bei der Errichtung eines Gebäudes beteiligt sind, in die Pflicht. Diese allgemeinen Anforderungen, die im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht gelten, werden im § 14 an den Brandschutz konkretisiert:

Daraus ergeben sich Schutzziele, die unbedingt von allen am Bau beteiligten Personen (zum Beispiel Architekten, Fachplaner, Fachhandwerker, Gebäudebesitzer und -betreiber) einzuhalten sind:

Gebäudeklassen

In der MBO 2002 werden im Paragraph § 2 „Begriffe“ Gebäude, wie zum Beispiel Wohn-, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie industrielle Bauwerke, Gebäudekomplexe und Sonderbauten, beschrieben und in verschiedene Gebäudeklassen unterteilt. Die Anforderungen an die Bauteile dieser Gebäude, wie zum Beispiel an Wände oder Decken in Keller- oder Obergeschossen sowie die Anforderungen der Wände von Flucht- und Rettungswegen, ist hierin festgelegt. Diese Anforderungen für die technische Gebäudeausrüstung, das heißt für die Decken- und Wanddurchführungen mit Rohrleitungen oder Kabelanlagen, sind in den Tabellen aufgeführt und dargestellt:

Tabelle 1.1: Übersicht der Gebäudeklassen und deren Anforderungen an die Leitungsdurchführungen nach MBO 2002

Tabelle 1.2: Übersicht der Gebäudeklassen und deren Anforderungen an die Leitungsdurchführungen nach MBO 2002

 

Gebäudebereiche mit erhöhter Brandlast

In Gebäudebereichen mit erhöhter Brandlast kommen unter Umständen mitgeltende Richtlinien bzw. Verordnungen zum Tragen, die zwingend eingehalten werden müssen. Zu diesen besonderen Räumen gehören zum Beispiel Heizräume, Räume in denen eine Heizungsanlage aufgestellt ist (Aufstellräume für Feuerstätten), Brennstofflagerräume oder Tiefgaragen, wenn sie innerhalb von Gebäuden angeordnet sind.

Muster-Feuerverordnung

Die wesentlichen baurechtlichen Anforderungen an Feuerungsanlagen sind in § 42 „Feuerungsanlagen“ MBO 2002 zusammengefasst. Im § 5 (in Zusammenhang mit § 6) der Muster-Feuerungsverordnung (MfeuVO) vom September 2007 werden die Anforderungen der Räume geregelt, in denen Feuerstätten aufgestellt werden. Diese Anforderungen richten sich nach der Art des Brennstoffes und der Summe der Nennleistungen der Feuerstätten, die gleichzeitig
betrieben werden sollen. Heiz- und Aufstellungsräume werden zum einen unterteilt in die Art und Leistung der Kesselanlage und zum anderen in die Art und Menge des vorhandenen Brennstoffs.

Aus diesen Unterteilungen ergeben sich die erhöhten Anforderungen zur Durchführung von Rohrleitungen bzw. Kabeln durch die angrenzenden Wände und Decken dieser Bereiche, die in den nachfolgenden Tabellen aufgeführt sind:

Anforderungen an Bauteile in Heiz- und Abstellräumen

Tabelle 2: Anforderungen an Bauteile in Heiz- und Abstellräumen

Bei Heiz- und Aufstellräumen ist darauf zu achten, dass neben den Anforderungen der MBO bzw. LBO auch die der § 5 und § 6 Feuerungsverordnung (FeuVO) und der Technischen Regeln für Gasinstallationen (TRGI) sowie der Technischen Regeln Ölanlagen (TRÖL) eingehalten werden.

 

 

 

Anforderungen an Bauteile in Brennstofflagerräumen

Tabelle 3: Anforderungen an Bauteile in Brennstofflagerräumen

Bei Brennstofflagerräumen sind neben der MBO und LBO auch die Anforderungen der MFeuVO einzuhalten.

 

 

 

 

Muster-Garagenordnung

In der Muster-Garagenverordnung (MGarVO) von Mai 2008 werden unter anderem Tiefgaragen und deren baurechtlichen Anforderungen an den Brandschutz dokumentiert. Auch in Tiefgaragen gibt es erhöhte Anforderungen an die Durchführung von Rohrleitungen und Kabel, da auch diese Gebäudebereiche ein erhöhtes Brandrisiko darstellen. Daher bilden Tiefgaragen laut MBO bzw. LBO einen eigenen Brandabschnitt. Eine Verlegung von brennbaren und nichtbrennbaren Rohrleitungen ist zwar zulässig, wobei wir empfehlen, diese mit geprüften Befestigungen zu installieren. Abschottungsmaßnahmen für Rohr- und Kabeldurchführungen in Tiefgaragen sind generell in R90- bzw. S90-Qualität auszuführen.

Weitere Regelwerke

Neben den genannten Verordnungen gelten gegebenenfalls weitere Regelwerke:

Des Weiteren beinhalten verschiedene Normen Anforderungen an den Brandschutz wie zum Beispiel DIN 4102 bzw. DIN EN 1366, DIN EN 13501. Weiterhin sind die Richtlinien bzw. Normen zum Schall- und Wärmeschutz (zum Beispiel DIN 4109, EnEV) sowie der Trinkwasserverordnung (DIN 1988) einzuhalten.

Sollten Sie zu den genannten Regelwerken Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne!

Grundsätzliches: Die Auszüge beschreiben lediglich einen kleinen Teil der Musterbauordnung 2002. Sie sollen die Eckpfeiler in Bezug auf den vorbeugenden, baulichen Brandschutz verdeutlichen und als Planungsgrundlage für Architekten, Fachplaner sowie Fachhandwerker dienen.

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